Neue Gedichte
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Die Frage
Die wichtigste Fragestellen wir meistens stumm.Antworten? Keine.Oft nur ein: „Darum.“ Als Kinder sind wir mutiger,wiederholen sie ständig,später durch genervte Blickeund Rüge gebändigt -wenn wir Glück haben.Anderswo stellst du sie,bist danach nicht mehr lebendig. Wo’s früher keine Antwort gab,gibt’s heute keine Fragen mehr,Scrollen uns satt,aber fühlen uns leer. Diese Frage,sie unterscheidet uns vom Tier.Fische schwimmen,Löwen jagen,ohne…
Der Mensch
Mein Blick verlässt die Akte,geschwind, durchs kleine Fenster,draußen ruhig die Eiche winkt,doch er sieht nur Gespenster. Auf dem Teppich liegt die Katzedie still mit ihrer Trägheit ringt,ihre Pfote, schwer wie Zentner,Oh, wüsst‘ sie nur, was Zweifler zwingt. Sie rollt sich sorglos in das Licht,als gäb es Fristen für sie nicht.Und ich zähl‘ Quartale, Tag für…
Freiwärts
Wenn Stille sich wie Decken legt,und Lichter flieh’n aus jedem Raum,dann wird mein Geist nicht mehr bewegt,er wandert frei in seinem Traum. Die Nacht, sie flüstert leise mir,gibt Halt in meiner eignen Zeit.Kein Drängen mehr, kein Müh’n mit ihr,nur Dunkelheit und Zärtlichkeit. Dunkelheit, mein treuer Freund,wenn der Tag die Kraft mir nimmt.In dir hab‘ ich…
Regenbrüder
Ich häng’ am Haken, still und krumm,die Welt da draußen weint ihr Lied.Doch ich, ich bleib’ verlässlich stumm,bis jemand meine Rippen zieht. Dann spann’ ich auf, ganz stolz und weit,ein Dach für kurze Zeit im Wind.Der Regen klopft: „Bist du bereit?“Ich nicke, weil wir Brüder sind. Die Tropfen tanzen auf meinem Kleid,ein Rauschen, das Geschichten…
Zwecknuss
Hoch oben, wo der Wind im Blattwerk pfeift,huscht lebendig Rost im Zweiggespinst.Der Herbst, er wirft Eicheln, die es greift,als wär’s ein Königskind. Es trägt den Fund in Moos und Wurzelgrund,sorgt zwar für später, doch tut es jetzt.Der Winter naht, mit vollgestopftem Mund.Kein Zweifel kennt, wer Sattsein schätzt. Der Wipfel wippt, sein Fell ein Strahl,ein Sprung…
Toastglück
Ich glühe on, ich glimme off, mehr Dasein brauch’ ich nicht;du toastest deine Zukunft, bis dir jede Kruste splittert, bricht. Ich zähle keine Stunden oder Tage, bloß Sekunden bis zum Klick;du aber schmierst dein Brot mit Pflicht und Selbstkritik. Mein Heizdraht brennt erhaben, der Duft, mein goldenes Glück;du siehst im Rauch nur Warnsignal, verpasst den…
Katzenweisheit
Die Katze schläft, als sei kein Morgen,das Fell ganz struppig, ruhig im Licht.Daneben sitzt der Mensch mit Sorgen:„Was, wenn dieser Tag zerbricht?“ Sie schnurrt und träumt von frischen Fischen,vom Frühlingstag und warmem Gras.Der Mensch will ständig alles mischen:das Jetzt, das Werden, War und Maß. Die Katze jagt den Staub im Zimmer,ein Körnchen fliegt, sie springt…
Der Baum
Ich lasse Blätter fallen wie Versprechen,die Winde höflich weitertragen.Die Amsel prüft nicht nach, ob sie zerbrechen;stellt sich keine Zukunftsfragen. Ein Jahresring erklingt wie leiser Gesang,wenn Frost an meine Rinde klopft.Ich kenne keinen Takt, kein Übergang,jeder Frühling kam stets unverhofft. Gewissheit ruht im Bast, im dunklen Grund, wo Wurzeln trinken, was der Himmel gießt.Ein Blatt erblüht, der…
Herzschleuder
In der Menge allein, doch zu laut in mir drin,die Köpfe umkreisen wie Monde ihr Schweigen.Ich werfe mein Herz, aber fange nur Sinn. Gedanken sind Feuerwerk, sprühen dahin,erhellen die Runde in grellen Geigen.In der Menge allein, doch zu laut in mir drin. Lach’ unverhohlen, ein Moment kann schon reichen,sie flüstern verstohlen, ich deute die Zeichen.Ich…
Religion
In kalter Kapelle kniet ein Mann im flackernden Licht,in seiner Brust wühlt tief ein namenloser Schmerz.Leise fragt er ins Dunkel, doch die Stille antwortet nicht –ihm antwortet nur sein einsames Herz.
Wurzelmessen
Ein alter Mann mit schwacher Handpflegt leise einen Garten.Die Stadt aus Stahl, der Bildschirmrandwird müde auf ihn warten. Er spricht mit Bäumen, hört den Wind,der nicht nach Antwort fragt.Er weiß: Die Erde, die ihn bind’t,hat nie ein „Ja“ vertagt. „Was wächst, braucht Zeit“, sagt er zur Saatund lächelt, fast vergessen.„Nicht jedes Maßband hat das Recht,die…



