Die wichtigste Frage
stellen wir meistens stumm.
Antworten? Keine.
Oft nur ein: „Darum.“
Als Kinder sind wir mutiger,
wiederholen sie ständig,
später durch genervte Blicke
und Rüge gebändigt –
wenn wir Glück haben.
Anderswo stellst du sie,
bist danach nicht mehr lebendig.
Wo’s früher keine Antwort gab,
gibt’s heute keine Fragen mehr,
Scrollen uns satt,
aber fühlen uns leer.
Diese Frage,
sie unterscheidet uns vom Tier.
Fische schwimmen,
Löwen jagen,
ohne sie jemals zu kennen,
oder sich in ihr zu verlieren,
doch uns,
uns lässt sie Jahre verschwenden,
prokrastinieren,
oder rasen vor Gier.
Und zwar dann,
wenn wir sie zu oft stellen.
Oder gar nicht.
Kinder sind süchtig nach ihr,
aber nicht nach Zweifel,
sondern danach,
was wahr ist.
Heute nur noch Stoßgebet,
wenn, außer uns selbst,
keiner mehr da ist.
Sie macht uns lebendig,
trägt uns,
bis zur Inschrift unseres Grabes.
Ungebändigt.
Sie kann Ursache und Wirkung sein,
lässt uns strahlend ins Dunkel marschieren,
allein‘,
ohne Pass über Grenzen,
trotz Herz an die Front,
gegen den Tod protestieren,
dem niemand entkommt.
Von links gekrächzt,
von rechts gekrümmt,
von oben gepredigt,
von unten geschluckt.
In Schatten versteckt,
mit Schuld überbrückt,
von Sehnsucht geweckt,
fürs Wachstum gebückt.
In Schulen ertränkt,
im Amt ausgespuckt,
in Preise gepresst,
und Schlagzeilen gedruckt.
Sie verfault in Kommentarspalten,
sickert aus Werbespots,
flackert als Ironie,
doch gestellt wird sie nie.
Sie hängt an Unsummen,
an Kreditkarten,
als Kupfergeruch,
im Kellereingang der Welt,
doch wird überhört,
wo Zinsen volle Münder stopfen
und der Morgen verfällt,
weil er längst verpfändet ist.
Sie steht bleich
auf Fotos unserer Großeltern,
gräbt sich als Schrei
zwischen Trickle Down
und House for Sale,
macht den Unterschied,
zwischen Hot Take und Epic Fail,
zwischen Haltung und Hashtag.
Zwar kann sie uns belasten,
lässt uns versinken,
in Selbstmitleid und Kleinigkeiten,
doch weist gleichzeitig den Weg,
im Labyrinth falscher Selbstverständlichkeiten.
Deshalb:
Frag weiter!
Frag wieder!
Frag nicht für die Antwort,
sondern, weil du kannst.
Frag,
bis das ‚Darum‘ keine Deckung mehr gibt.
Kratz sie hinein,
kindisch, krakelig,
mit dem Finger,
bis wir verstehen,
dass jeder Neuanfang,
nach dem wir uns sehn‘,
mit diesem Kratzer im Glas beginnt.
Du fragst mich nach der Frage,
ich antworte: warum?





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