Ich glühe on, ich glimme off,
mehr Dasein brauch’ ich nicht;
du toastest deine Zukunft,
bis dir jede Kruste splittert, bricht.
Ich zähle keine Stunden oder Tage,
bloß Sekunden bis zum Klick;
du aber schmierst dein Brot
mit Pflicht und Selbstkritik.
Mein Heizdraht brennt erhaben,
der Duft, mein goldenes Glück;
du siehst im Rauch nur Warnsignal,
verpasst den Augenblick.
Toast springt empor: Moment vollendet!
Fertig soll es sein.
Du aber hältst es, prüfst und riechst,
beißt bloß nicht hinein.
So glüh’ ich weiter, halte nichts,
bin nie mehr als das gewesen;
kaust auf der Asche deines Lebens,
als würd’s mich gar nicht geben.

Aus dem Zyklus „Augenblicke ohne Alarm“
Ein Wort, ein Tier, ein Ding, ein Moment.
So klein die Ausgangspunkte, so weit das Echo.
»Augenblicke ohne Alarm« ist mein erster Gedichtzyklus – und vielleicht deshalb so frei von Regeln, so nahe an dem, was ich selbst beim Schreiben gesucht habe: eine Art stilles Erkennen. Nicht die große Erkenntnis, sondern diese kurzen, weichen Stellen im Tag, an denen man das Gefühl hat, das Leben flüstert etwas – man müsste nur aufhören zu denken, um es zu hören.
Ich habe mich von Dingen inspirieren lassen, die man schnell übersieht: ein Regenschirm, der vergessen in der U-Bahn liegt. Eine Katze, die schnurrt, während wir Termine verwalten. Ein Toaster, der mehr über Zeit versteht als wir.
Diese Gedichte sprechen nicht laut. Sie drängen sich nicht auf. Aber sie haben für mich etwas, das mich immer wieder zu ihnen zurückzieht: sie kennen keinen Alarm. Kein „Muss“, kein „Bald“, kein „Schon wieder“.
Nur jetzt.
Vielleicht erzählen sie davon, wie die Welt sein könnte, wenn wir sie mehr fühlen als messen würden. Vielleicht aber sind sie einfach nur das: kleine poetische Erinnerungen daran, dass auch im Einfachen Bedeutung wohnt – wenn wir sie lassen.
Dass dies eines meiner ersten vollständigen Werke ist, macht es für mich umso besonderer. Ich habe mich beim Schreiben nicht wie ein Dichter gefühlt. Eher wie jemand, der endlich zugehört hat.
Und ich hoffe, dass auch du beim Lesen nicht nur liest – sondern vielleicht manchmal kurz innehältst. Und etwas hörst.
— Arne

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