Ich häng’ am Haken, still und krumm,
die Welt da draußen weint ihr Lied.
Doch ich, ich bleib’ verlässlich stumm,
bis jemand meine Rippen zieht.
Dann spann’ ich auf, ganz stolz und weit,
ein Dach für kurze Zeit im Wind.
Der Regen klopft: „Bist du bereit?“
Ich nicke, weil wir Brüder sind.
Die Tropfen tanzen auf meinem Kleid,
ein Rauschen, das Geschichten spricht.
Der Mensch darunter schaut so weit,
nur meinen Glanz, den sieht er nicht.
Er hastet, hechtet, flucht gequält,
denkt nass zu sein sei große Not.
Ich bin nur da, wenn’s wirklich zählt
lebe nur von Überfluss und Tod.
Man wirft mich in die Ecke bald,
vergisst mich in der U-Bahn schnell.
Ich träum’ von einem Platz im Wald,
wo Regen fließt und nicht nur fällt.
Ich habe keinen langen Plan,
kein Wissen von der Ewigkeit.
Ich diene einfach dann und wann
und bin bereit. Zu jeder Zeit.

Aus dem Zyklus „Augenblicke ohne Alarm“
Ein Wort, ein Tier, ein Ding, ein Moment.
So klein die Ausgangspunkte, so weit das Echo.
»Augenblicke ohne Alarm« ist mein erster Gedichtzyklus – und vielleicht deshalb so frei von Regeln, so nahe an dem, was ich selbst beim Schreiben gesucht habe: eine Art stilles Erkennen. Nicht die große Erkenntnis, sondern diese kurzen, weichen Stellen im Tag, an denen man das Gefühl hat, das Leben flüstert etwas – man müsste nur aufhören zu denken, um es zu hören.
Ich habe mich von Dingen inspirieren lassen, die man schnell übersieht: ein Regenschirm, der vergessen in der U-Bahn liegt. Eine Katze, die schnurrt, während wir Termine verwalten. Ein Toaster, der mehr über Zeit versteht als wir.
Diese Gedichte sprechen nicht laut. Sie drängen sich nicht auf. Aber sie haben für mich etwas, das mich immer wieder zu ihnen zurückzieht: sie kennen keinen Alarm. Kein „Muss“, kein „Bald“, kein „Schon wieder“.
Nur jetzt.
Vielleicht erzählen sie davon, wie die Welt sein könnte, wenn wir sie mehr fühlen als messen würden. Vielleicht aber sind sie einfach nur das: kleine poetische Erinnerungen daran, dass auch im Einfachen Bedeutung wohnt – wenn wir sie lassen.
Dass dies eines meiner ersten vollständigen Werke ist, macht es für mich umso besonderer. Ich habe mich beim Schreiben nicht wie ein Dichter gefühlt. Eher wie jemand, der endlich zugehört hat.
Und ich hoffe, dass auch du beim Lesen nicht nur liest – sondern vielleicht manchmal kurz innehältst. Und etwas hörst.
— Arne

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