Katzenweisheit

Die Katze schläft, als sei kein Morgen,
das Fell ganz struppig, ruhig im Licht.
Daneben sitzt der Mensch mit Sorgen:
„Was, wenn dieser Tag zerbricht?“

Sie schnurrt und träumt von frischen Fischen,
vom Frühlingstag und warmem Gras.
Der Mensch will ständig alles mischen:
das Jetzt, das Werden, War und Maß.

Die Katze jagt den Staub im Zimmer,
ein Körnchen fliegt, sie springt und fängt.
Der Mensch blickt müde, fragt sich immer,
wie viel noch bleibt, wie viel verschenkt?

Sie putzt das Fell ganz ohne Zweifel,
den Moment als Welt für sich.
Der Mensch sieht alles nur im Kreisel:
die Zeit verrinnt, wie fürchterlich!

Der Mensch fragt nachts: „Was wird mal kommen?“
Im Dunkeln blickt er auf die Uhr.
Die Katze hat’s gelass’ner genommen,
sie gähnt und döst, ist klug und stur.

Der Mensch, er kämpft, mit großen Fragen,
mit Zeit und Angst im Nichts verstrickt.
Die Katze will ihm leise sagen:
„Das Leben ist ein Augenblick.“

Der Mensch will immer alles messen,
und lebt dabei doch kaum noch gut.
Die Katze weiß, die Kunst: Vergessen!
Das Jetzt war immer schon genug.

Aus dem Zyklus „Augenblicke ohne Alarm“

Ein Wort, ein Tier, ein Ding, ein Moment.
So klein die Ausgangspunkte, so weit das Echo.

»Augenblicke ohne Alarm« ist mein erster Gedichtzyklus – und vielleicht deshalb so frei von Regeln, so nahe an dem, was ich selbst beim Schreiben gesucht habe: eine Art stilles Erkennen. Nicht die große Erkenntnis, sondern diese kurzen, weichen Stellen im Tag, an denen man das Gefühl hat, das Leben flüstert etwas – man müsste nur aufhören zu denken, um es zu hören.

Ich habe mich von Dingen inspirieren lassen, die man schnell übersieht: ein Regenschirm, der vergessen in der U-Bahn liegt. Eine Katze, die schnurrt, während wir Termine verwalten. Ein Toaster, der mehr über Zeit versteht als wir.
Diese Gedichte sprechen nicht laut. Sie drängen sich nicht auf. Aber sie haben für mich etwas, das mich immer wieder zu ihnen zurückzieht: sie kennen keinen Alarm. Kein „Muss“, kein „Bald“, kein „Schon wieder“.
Nur jetzt.

Vielleicht erzählen sie davon, wie die Welt sein könnte, wenn wir sie mehr fühlen als messen würden. Vielleicht aber sind sie einfach nur das: kleine poetische Erinnerungen daran, dass auch im Einfachen Bedeutung wohnt – wenn wir sie lassen.

Dass dies eines meiner ersten vollständigen Werke ist, macht es für mich umso besonderer. Ich habe mich beim Schreiben nicht wie ein Dichter gefühlt. Eher wie jemand, der endlich zugehört hat.
Und ich hoffe, dass auch du beim Lesen nicht nur liest – sondern vielleicht manchmal kurz innehältst. Und etwas hörst.

Arne

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