Wenn Stille sich wie Decken legt,
und Lichter flieh’n aus jedem Raum,
dann wird mein Geist nicht mehr bewegt,
er wandert frei in seinem Traum.
Die Nacht, sie flüstert leise mir,
gibt Halt in meiner eignen Zeit.
Kein Drängen mehr, kein Müh’n mit ihr,
nur Dunkelheit und Zärtlichkeit.
Dunkelheit, mein treuer Freund,
wenn der Tag die Kraft mir nimmt.
In dir hab‘ ich mich neu vereint,
wo mein wahres Ich beginnt.
Keine Stimmen, die mich lenken,
nur das Flüstern meiner Welt.
Kann in Ruhe mich versenken,
wo kein Urteil mich befällt.
Die Nacht, sie öffnet mir die Tür,
zu Räumen, die der Tag verschloss.
Kein Lärm, kein Druck, kein Überfluss,
nur ich, allein, ganz ohne Zier.
Gedanken tanzen, ungehemmt,
kein Zwang, der sie in Ketten legt.
Die Freiheit, die in mir entbrennt,
ist das, was meinen Leib belebt.

Aus dem Zyklus „Augenblicke ohne Alarm“
Ein Wort, ein Tier, ein Ding, ein Moment.
So klein die Ausgangspunkte, so weit das Echo.
»Augenblicke ohne Alarm« ist mein erster Gedichtzyklus – und vielleicht deshalb so frei von Regeln, so nahe an dem, was ich selbst beim Schreiben gesucht habe: eine Art stilles Erkennen. Nicht die große Erkenntnis, sondern diese kurzen, weichen Stellen im Tag, an denen man das Gefühl hat, das Leben flüstert etwas – man müsste nur aufhören zu denken, um es zu hören.
Ich habe mich von Dingen inspirieren lassen, die man schnell übersieht: ein Regenschirm, der vergessen in der U-Bahn liegt. Eine Katze, die schnurrt, während wir Termine verwalten. Ein Toaster, der mehr über Zeit versteht als wir.
Diese Gedichte sprechen nicht laut. Sie drängen sich nicht auf. Aber sie haben für mich etwas, das mich immer wieder zu ihnen zurückzieht: sie kennen keinen Alarm. Kein „Muss“, kein „Bald“, kein „Schon wieder“.
Nur jetzt.
Vielleicht erzählen sie davon, wie die Welt sein könnte, wenn wir sie mehr fühlen als messen würden. Vielleicht aber sind sie einfach nur das: kleine poetische Erinnerungen daran, dass auch im Einfachen Bedeutung wohnt – wenn wir sie lassen.
Dass dies eines meiner ersten vollständigen Werke ist, macht es für mich umso besonderer. Ich habe mich beim Schreiben nicht wie ein Dichter gefühlt. Eher wie jemand, der endlich zugehört hat.
Und ich hoffe, dass auch du beim Lesen nicht nur liest – sondern vielleicht manchmal kurz innehältst. Und etwas hörst.
— Arne

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