Mein Blick verlässt die Akte,
geschwind, durchs kleine Fenster,
draußen ruhig die Eiche winkt,
doch er sieht nur Gespenster.
Auf dem Teppich liegt die Katze
die still mit ihrer Trägheit ringt,
ihre Pfote, schwer wie Zentner,
Oh, wüsst‘ sie nur, was Zweifler zwingt.
Sie rollt sich sorglos in das Licht,
als gäb es Fristen für sie nicht.
Und ich zähl‘ Quartale, Tag für Tag
stell‘ mir dabei die Frage, was ich davon hab‘.
Der Toaster springt, ein strenger Duft,
ich atme knapp, verbrauche Luft,
Es stinkt und brennt und röstet,
seh‘ ein Eichhorn, dem es fröstelt.
Ein Schirm am Haken träumt von Regen,
hat er doch sonst keinen Sinn im Leben;
Ach, wenn er doch nur wüsste;
nur die Sonne weckt Gelüste.
Die Nacht rückt vor, sie löscht mein Blatt,
ein Bildschirm leuchtet müde matt;
spiegelt mir mein inneres Kind,
das mehr als Zahlen zählen will.
So klapp’ ich leise alles zu,
die Eiche winkt im Straßenlicht;
die Katze schnurrt, was ich auch tu‘,
das Leben bleibt ein Augenblick.

Aus dem Zyklus „Augenblicke ohne Alarm“
Ein Wort, ein Tier, ein Ding, ein Moment.
So klein die Ausgangspunkte, so weit das Echo.
»Augenblicke ohne Alarm« ist mein erster Gedichtzyklus – und vielleicht deshalb so frei von Regeln, so nahe an dem, was ich selbst beim Schreiben gesucht habe: eine Art stilles Erkennen. Nicht die große Erkenntnis, sondern diese kurzen, weichen Stellen im Tag, an denen man das Gefühl hat, das Leben flüstert etwas – man müsste nur aufhören zu denken, um es zu hören.
Ich habe mich von Dingen inspirieren lassen, die man schnell übersieht: ein Regenschirm, der vergessen in der U-Bahn liegt. Eine Katze, die schnurrt, während wir Termine verwalten. Ein Toaster, der mehr über Zeit versteht als wir.
Diese Gedichte sprechen nicht laut. Sie drängen sich nicht auf. Aber sie haben für mich etwas, das mich immer wieder zu ihnen zurückzieht: sie kennen keinen Alarm. Kein „Muss“, kein „Bald“, kein „Schon wieder“.
Nur jetzt.
Vielleicht erzählen sie davon, wie die Welt sein könnte, wenn wir sie mehr fühlen als messen würden. Vielleicht aber sind sie einfach nur das: kleine poetische Erinnerungen daran, dass auch im Einfachen Bedeutung wohnt – wenn wir sie lassen.
Dass dies eines meiner ersten vollständigen Werke ist, macht es für mich umso besonderer. Ich habe mich beim Schreiben nicht wie ein Dichter gefühlt. Eher wie jemand, der endlich zugehört hat.
Und ich hoffe, dass auch du beim Lesen nicht nur liest – sondern vielleicht manchmal kurz innehältst. Und etwas hörst.
— Arne

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