Ich lasse Blätter fallen wie Versprechen,
die Winde höflich weitertragen.
Die Amsel prüft nicht nach, ob sie zerbrechen;
stellt sich keine Zukunftsfragen.
Ein Jahresring erklingt wie leiser Gesang,
wenn Frost an meine Rinde klopft.
Ich kenne keinen Takt, kein Übergang,
jeder Frühling kam stets unverhofft.
Gewissheit ruht im Bast, im dunklen Grund,
wo Wurzeln trinken, was der Himmel gießt.
Ein Blatt erblüht, der Kreislauf rund,
wenn frischer Saft mein Mark durchfließt.
Nun trägt die Krone Licht in reicher Pracht,
ein warmer Hauch erfüllt die späten Stunden.
und wär’s kein Sommer, sondern ewig Winternacht;
ich stünde dennoch hier, mit allem tief verbunden.

Aus dem Zyklus „Augenblicke ohne Alarm“
Ein Wort, ein Tier, ein Ding, ein Moment.
So klein die Ausgangspunkte, so weit das Echo.
»Augenblicke ohne Alarm« ist mein erster Gedichtzyklus – und vielleicht deshalb so frei von Regeln, so nahe an dem, was ich selbst beim Schreiben gesucht habe: eine Art stilles Erkennen. Nicht die große Erkenntnis, sondern diese kurzen, weichen Stellen im Tag, an denen man das Gefühl hat, das Leben flüstert etwas – man müsste nur aufhören zu denken, um es zu hören.
Ich habe mich von Dingen inspirieren lassen, die man schnell übersieht: ein Regenschirm, der vergessen in der U-Bahn liegt. Eine Katze, die schnurrt, während wir Termine verwalten. Ein Toaster, der mehr über Zeit versteht als wir.
Diese Gedichte sprechen nicht laut. Sie drängen sich nicht auf. Aber sie haben für mich etwas, das mich immer wieder zu ihnen zurückzieht: sie kennen keinen Alarm. Kein „Muss“, kein „Bald“, kein „Schon wieder“.
Nur jetzt.
Vielleicht erzählen sie davon, wie die Welt sein könnte, wenn wir sie mehr fühlen als messen würden. Vielleicht aber sind sie einfach nur das: kleine poetische Erinnerungen daran, dass auch im Einfachen Bedeutung wohnt – wenn wir sie lassen.
Dass dies eines meiner ersten vollständigen Werke ist, macht es für mich umso besonderer. Ich habe mich beim Schreiben nicht wie ein Dichter gefühlt. Eher wie jemand, der endlich zugehört hat.
Und ich hoffe, dass auch du beim Lesen nicht nur liest – sondern vielleicht manchmal kurz innehältst. Und etwas hörst.
— Arne

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